Wer war Fürst Akechi Mitsuhide?
Vorwort
Wie im Rundbrief angekündigt schreibt Michael Daishiro Nakajima Sensei über Fürst Akechi Mitsuhide. Fürst Akechi Mitsuhide ist Vorfahr der Familie Nakajima, somit hat M.D. Nakajima ein besonderes Verhältnis zu seiner Lebensgeschichte. Um nicht zu viel Zeit verstreichen zu lassen, wird die Fortsetzung der historischen Geschichte unabhängig vom Rundbrief veröffentlicht.

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Fürst Akechi Mitsuhide - Teil 1

Wer ist Akechi Mitsuhide (1528 – 1582?) ? (1. Teil)

Die Zeit und die Begegnung mit Oda Nobunaga
Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Volksmeinung steht die heutige Geschichtsforschung ihm ziemlich positiv gegenüber. Denn lange galt er als Herrenmörder, und obwohl er für 11 Tage lang zwischen der ära von Oda Nobunaga und der von Toyotomi Hideyoshi Herrscher über Japan war, wird dies oft nicht erwähnt. (Anm.: wenn der ganze Name geschrieben wird, kommt der Familienname zuerst, wie das in Japan üblich ist. Damals wurden auch Vornamen bei V.I.P. oft verwendet.)
Tatsache ist, dass Akechi Mitsuhide seinen Herrn Oda Nobunaga mit einem überraschungscoup zum Selbstmord getrieben hat. Um es vorweg zu nehmen: Diese Tat ist eher vergleichbar dem Attentat von Graf Stauffenberg gegen Hitler. Stauffenberg diente Hitler lange Zeit, wie Akechi Oda, und verstand irgendwann, dass dieser beseitigt werden musste. Stauffenberg ist das Vorhaben nicht gelungen, Akechi schon.
Stauffenberg meinte vor der Tat, dass er als Verräter der Nation in die deutsche Geschichte eingehen würde. Das schien zuerst so, wurde aber schnell anders. Denn sehr bald kam das Kriegsende, die Niederlage der damaligen Herrscher und die Demokratie. Stauffenberg wurde rehabilitiert und wird heute als ein Held betrachtet. Akechi wurde nicht so schnell rehabilitiert, denn das feudale System Japans dauerte noch 300 Jahre. Weitere 80 Jahre lang war die Zeit des Nationalismus, bis endlich 1945 mit der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg ein demokratischer Staat im heutigen Sinne gegründet wurde. Erst seit einiger Zeit stellte die Forschung heraus, dass man Akechi nicht einfach als Herrenmörder abtun darf.
Nun wollen wir der Reihe nach sehen, wie es zu dieser Tat kam:
Das 16. Jhdt. in Japan war eine Zeit erbitterter Kämpfe um Vorherrschaft. Nachdem die Macht des Ashikaga-Shogunats zerbröckelt war, haben viele Untertanen der Fürsten diese bekriegt, und es entstanden zahlreiche Fürstentümer, die sich gegenseitig bekämpften. Die Macht des Tenno existierte schon lange nur dem Namen nach. Das ganze Land versank in Krieg und Chaos. Stärkere Fürsten versuchten Japan unter ihrer Gesamtherrschaft zu bringen. Sie versuchten in die Hauptstadt Kyoto einzumarschieren, vom Tenno nominelle Anerkennung zu bekommen und über ganz Japan zu herrschen. Dafür war ihnen der Tenno noch gut genug.
Westlich vom heutigen Tokyo, also ralativ nahe zu Kyoto (Anm.: der Abstand von Kyoto zum heutigen Tokyo beträgt etwa 450 km), gab es einige Fürsten, die zur Gesamtherrschaft fähig waren: Hôjô Ujimasa, Uésugi Kenshin (einer meiner Lieblingsfürsten, der jeden Tag Zen meditiert hat), Takeda Shingen (in seinem Fürstentum wurde Ki-Budo gepflegt und später in das Aizu-Fürstentum weitergetragen, wo noch später Takeda Sokaku, der Lehrer von Uéshiba Morihei, diese Kampfkunst bekannt gemacht hat), Imagawa Yoshimoto und sein Vasall Tokugawa Iéyasu, der zunächst noch nicht so groß herauskam. Auch Oda Nobunaga war ein kleiner Fürst. Sein Vorteil war, dass sein Land gegenüber den Ländern der obengenannten Fürsten Kyoto am nächsten lag. Das ist die historische Voraussetzung und Bühne, auf der Akechi Mitsuhide auftritt.
Mitsuhide wurde 1528 als Sohn des Herrn der Akechi-Burg geboren. Die Familie Akechi diente zu dieser Zeit Saito Dosan, einem der damaligen Fürsten. Bei der Auseinandersetzung zwischen Saito Dosan und seinem Sohn Yoshitatsu wurde die Burg Akechi von diesem überfallen (1556, 28 Jahre alt: auch unten sind die Altersangaben in den Klammern immer von Akechi Mitsuhide). Viele der Akechi-Sippe sind umgekommen. Mitsuhide wollte sein Haus wiederaufbauen, während er überall hingewandert ist. Oft mietete er ein kleines Zimmer in einem Zen-Tempel und lebte sehr arm. Seine Frau Hiroko verkaufte ihre schwarzen Haare, um zu überleben.
Damals kamen die Schusswaffen (Gewehre) nach Japan. Mitsuhide beherrschte sie so gut, dass Fürst Asakura Yoshikage ihn 1563 als Untertan angenommen hat. Nun hatte er das Kommando über die 100 Mann starke Artillerie. Einmal ließ er bei der übung die Entfernung des Ziels verdoppeln und traf dennoch 100 Schüsse fehlerfrei, wobei 68 Schüsse genau ins Schwarze trafen. 1566 (38 J. a.) wurde der 13. Ashikaga Shogun ermordet und sein Bruder Yoshiaki floh aus Kyoto nach Nord-Osten, wo Familie Asakura herrschte. Mitsuhide befreundete sich mit der rechten Hand von Yoshiaki, Hosokawa Fujitaka, und gewann so auch den nahen Kontakt zu jenem. Yoshiaki erhoffte, dass Asakura ihm bei der Wiederherstellung seiner Macht als Shogun hilft. Als aber klar wurde, dass dieser weder die Intention noch die Fähigkeit besaß, Herrscher zu werden, wandte sich Yoshiaki von diesem ab, und Oda Nobunaga zu. Der war ein junger Fürst, der 1560 durch einen überraschungsangriff den militärisch weit überlegenen Großfürst Imagawa Yoshimoto in Okehazama schlug. Yoshiaki schätzte Akechi Mitsuhide sehr, so dass er ihn mitnahm. So wurde Mitsuhide Untertan von Nobunaga. Für ihn war dieser Pakt natürlich willkommen. Nobunaga nahm Yoshiaki mit nach Kyoto und setzte ihn mit seiner militärischen überlegenheit zum 15. Ashikaga Shogun ein. Mitsuhide war sehr glücklich darüber, dass er zwischen den beiden vermitteln konnte, so dass Yoshiaki, dem er so viel verdankte, nun Shogun wurde.
Mitsuhide war kulturell sehr gebildet, während die meisten in der Oda-Sippe raue Kämpfer waren. Er war der Mann des „Bunbu-Ryodo“ (vgl. den letzten Rundbrief). Er war nicht nur Mittler zwischen dem Shogun und Nobunaga, er verkehrte auch mit dem Kaiserhaus. Er liebte Chado (Teezeremonie) und Gedichte. Bemerkenswert ist auch, dass er nur nach 2 Jahren Dienst bei Nobunaga von diesem gleich wie seine langjährigen Untertanen behandelt wurde.
Aber schon bald traten erste Schwierigkeiten auf. 1570 (42 J.a.) verfasste Nobunaga eine Schrift, in der er die Macht des Shogun Yoshiaki stark einschränkte. Z.B. wollte Nobunaga den gesamten Briefverkehr von Yoshiaki kontrollieren. Dieser forderte deswegen die Fürsten auf, sich gegen Nobunaga zu stellen. Die Fürsten Asai und Asakura entsprachen dieser Bitte. Auch die berühmten Religionszentren wie Honganji oder Enryakuji stellten sich auf die Seite des Ashikaga Shogun.
Aber Nobunagas Heer war stark. Es besiegte mit Hilfe von Tokugawa Ieyasu das Heer von Asai-Asakura. Zum Glück musste Akechi Mitsuhide nicht gegen seinen ehemaligen Herrn Asakura antreten, weil Ieyasu diese Rolle übernahm. übrigens waren Nobunaga 36, sein Hauptuntertan neben Mitsuhide, Hideyoshi, 34 und Ieyasu noch 28 Jahre alt.
1571 (43 J.a.) gab Nobunaga Mitsuhide das Land am Shiga-See. Hier baute dieser seine eigene Burg als erster unter Nobunagas Untertanen. (Der langjährige Untertan Hideyoshi als der Nummer 2 hat erst nach drei Jahren die gleiche Erlaubnis bekommen.) Der portugiesische Missionar Luis Frois erwähnte später in einer Schrift „die berühmteste schöne Burg nach der Burg Azuchi von Nobunaga“.

Das Böse kommt zum Vorschein
Die Untertanen von Nobunaga trauten erst ihren Ohren nicht, als sie den Befehl erhielten, den Enryakuji-Tempel abzubrennen - nicht nur die Gebäude. Sie sollten die Mönche samt Personal inklusive der Alten und der Kinder töten. Mitsuhide, der viele Bekannte dort hatte, protestierte: „In Enryakuji gibt es sicher gefallene Mönche, wie Sie sagen, aber es gibt auch gute Mönche, die sich ernsthaft schulen“. Nobunaga ignorierte ihn völlig. Odas Heer griff den Tempel an. Die Gebäude wurde verbrannt und 3000 Menschen und sogar Hunde wurden massakriert. Takeda Shingen kritisierte das mit den Worten: „Nobunaga ist die Verkörperung des Teufels“.
Shogun Yoshiaki konnte das nicht mehr dulden. Er entschied sich für den militärischen Widerstand. Obwohl Mitsuhide ihm wiederholt klar machte, dass gegen das jetzige Herr des Nobunaga kein Kraut gewachsen wäre, wollte er sich von diesem Vorhaben nicht abbringen lassen. Schweren Herzens verließ Mitsuhide das Shogunat. Aber 1572 (44 J.a.) begann der von Nobunaga am meisten gefürchtete Fürst Takeda sich gen Westen zu bewegen. Er besiegte Tokugawa Ieyasu mit Leichtigkeit und kam in die Nähe des Landes von Oda.
Zu Neujahr 1573 (45 J.a.) war die Freude des Shogun Yoshiaki sehr groß. Nun war Nobunaga umzingelt. Im Osten Takeda, im Norden der immer noch kämpfende Asai- Asakura, im Nordosten der „Kriegsgott“ Uésugi, und im Westen hinter Yoshiaki war Môri. Yoshiaki wartete nicht auf den Einmarsch von Takeda in die Hauptstadt Kyoto und erklärte Oda den Krieg. Alles veränderte sich aber durch den plötzlichen Tod von Takeda Shingen im April. Oda besiegte Yoshiaki und verbannte ihn aus der Hauptstadt. Das war das Ende des Ashikaga-Shogunats, das 237 Jahre Bestand hatte.
Um seine neue Regierung zu markieren verlangte Nobunaga vom Tenno den Namen der ära zu ändern. Dass ein Kriegsherr vom Kaiser so etwas verlangte, war noch nie vorgekommen. Auf diese Weise wollte Nobunaga seine Macht demonstrieren. Der Tenno fürchtete Nobunagas Macht und schenkte ihm einen kaiserlichen Rang: „Ju Sanmi“. Nobunaga war darüber verärgert, weil er einen noch höheren Rang haben wollte. Er drang in die kaiserliche Schatzkammer ein, schnitt das kostbare wohlriechende Holz ab und brachte es dem Kaiser. Dieser schickte es dem Fürst Môri, der Oda feindlich gegenüberstand.


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Wer war Fürst Akechi Mitsuhide - Teil 2


Nobunagas Wahnsinn setzt sich fort
1574 lud Nobunaga seine Hauptuntertanen zum Neujahrsfest. Ihr Entsetzen war groß, als er ihnen zum Sake-Trinken die goldene Schale reichte. Natürlich nicht, weil sie so kostbar war: Es waren die vergoldeten Schädel von Asai, seinem Sohn und Asakura. Vor Mitsuhide kam die Schale vom letzteren, seinem früheren Dienstherrn. In Mitsuhide wächst der Ekel gegenüber Nobunaga.
Tatsächlich wuchs Nobunagas Brutalität, der seit der Vernichtung des Tempels Hiei von den Leuten Teufel genannt wurde, immer mehr. Besonders gegenüber den Aufständischen der buddhistischen Ikko Sekte war seine Unterdrückung schlimm. Im September desselben Jahres in Ise-Nagashima gab er vor, die Kapitulation zu akzeptieren, hat aber dann 20 000 Gläubige einschließlich der Alten, Frauen und Kinder in ein Gehege eingeschlossen und verbrannt. Er wollte, dass sie kein Nachkommen haben. Das war seine große Rache, weil sein jüngerer Bruder 4 Jahre zuvor von den Ikko-Gläubigen getötet wurde. Damals konnte er keine Hilfstruppen zu seinem Bruder senden, weswegen er Schuldgefühl hatte.
Aber die schlimmste Morde von Nobunaga geschahen in Echizen, wo die Ikko- Gläubigen 100 Jahre lang unabhängig regiert hatten. Er betrachtete alle Einwohner als Ikko- Gläubige und ließ jeden töten, der gefunden wurde. Es heißt, insgesamt 40 000 Gläubige wurden umgebracht. In einem Brief schrieb Nobunaga: „Die Hauptstadt ist voller Leichname, so dass man keinen freien Boden sehen kann. Das hätte ich Dir gerne gezeigt. Auch heute will ich in den Bergen und Tälern nach ihnen suchen und schlachten“. Auf einem später entdeckten Dachziegel stand geschrieben: „Bitte, erzählt den nachfolgenden Generationen: das Heer des Nobunaga hat 1000 lebende Menschen an den Säulen sterben lassen oder mit öl zu Tode gekocht“.
Mai 1575 (Mitsuhide 47 Jahre) hat Nobunaga 3000 Gewehre vorbereitet und in Nagashino das Reiter-Heer des Katsuyori, den Sohn des Takeda Shingen, vernichtet. Das Schießtalent Mitsuhide hat hier sein Können gezeigt. Im nächsten Monat hat ihm Nobunaga das Land Tanba (westlich von Kyoto) gegeben. Mitsuhide begann sofort das Land zu erobern.
1576 trat Nobunaga in die neu erbaute Azuchi-Burg ein. In den Steinmauern findet man auch Buddha-Statuen oder Grabsteine, was Nobunagas blasphemische Einstellung verrät. Im April wurde Nobunaga bei der Eroberung des Ishiyama-Honganji-Tempel zu Osaka durch einen Gewehrschuss am Bein verletzt. Ishiyama-Honganji war ein stark bewehrter Tempel mit mehrere tausend Gewehren. Es ist bezeichnend, dass Nobunaga selber mutig an der Front gekämpft hat. Dieser charismatische Charakterzug war sicher einer der Gründe für Nobunagas Anziehungskraft.

Mitsuhide bemüht sich, aber er kann das Leben nicht retten
1578 (M. 50 Jahre) in März ist Uésugi Kenshin plötzlich an einer Krankheit gestorben. Damit wurde Nobunagas Weg zur Oberherrschaft rapid abgekürzt. Er verzichtete auf das Amt des Udaijin in der überzeugung, dass die Hilfe der Kaiserfamilie nicht mehr nötig sei.
Im August heiratete Mitsuhides dritte Tochter Tamako (später christlich getaufte Gracia), Hosokawa Tadaoki, der der Sohn seines guten Freundes war aus der Zeit bei Asakura, Hosokawa Fujitaka. Aber im November kam seine älteste Tochter Rinko aus der Ehe entlassen zurück nach Hause. Diese war die Frau des Sohnes von Muraki Murashige. Murashige war ein tapferer Feldherr unter Nobunaga. Aber als entdeckt wurde, dass sein Untertan dem Ishiyama Honganji klammheimlich Nahrungsmittel zukommen ließ, geriet er in Not. Da er dachte, Nobunaga würde nicht seine Entschuldigung akzeptieren, entschloss er sich gegen Nobunaga zu rebellieren, mit dem Motto, besser rebellieren als gezwungen zu werden, Seppuku (Harakiri) zu machen. Er war aber so edelmütig und dachte, er soll Mitsuhide durch seinen Verrat an Nobunaga nicht in Schwierigkeit bringen. So ließ er Rinko von seinem Sohn scheiden und nach Hause zu Mitsuhide zurückkehren. Mitsuhide besänftigte den wütenden Nobunaga und rang ihm die Bedingung ab, dass Menschenleben geschont würden, wenn die Burg ohne Widerstand ausgeliefert wird. Aber Murashige glaubte daran nicht, verließ die Burg nach einjährigem Widerstand und floh zu Fürst Mori.
Da Nobunaga Muraki Murashige als Hauptkommandanten gegen Mori eingeplant hatte, war seine Wut umso größer als Murashige ausgerechnet zu Mori lief. Als ein warnendes Beispiel für den Verräter ließ er alle 37 Verwandten Murashiges enthaupten, 120 Dienerinnen Martertod erleiden und die Kinder der Dienerinnen und junge Samurais in vier Häuser hineinsperren und verbrennen. Da die Leute, die um Schonung ihres Lebens baten, Mitsuhide als letzte Vertrauensperson betrachteten, kam ein General von Murashige zu ihm und sagte, er sei bereit für seine Frau sein Leben zu opfern. Obwohl Mitsuhide darum bat, ließ Nobunaga beide töten. Mitsuhide war sprachlos. Sein Widerwille gegen Nobunaga wächst ständig.
1579 führte Mitsuhide viele Schlachten und besiegte Hatano Hideharu, so dass er den ganzen Kinki Bezirk (um Kyoto / Osaka) kontrollieren konnte. Aber der Preis war sehr hoch. Denn er hatte seine Mutter in die Burg von Hatano geschickt als Sicherheitsgarantie . Aber Nobunaga kümmerte sich nicht darum und tötete Hatano. Die wütenden Untertanen von Hatano töteten ihrerseits Mitsuhides Mutter.
Im gleichen Jahr schöpfte Nobunaga den Verdacht, dass die Frau und der älteste Sohn von Tokugawa Ieyasu heimlich mit Takeda Kontakt pflegten. So befahl er Ieyasu die beiden zu töten. Eigentlich kam dieser Verdacht durch die Auseinandersetzung zwischen der Braut (der Tochter des Nobunaga) und ihrer Schwiegermutter (der Frau von Ieyasu) auf, und war in Wirklichkeit nichtig. Aber Ieyasu konnte dem übermächtigen „Teufelskönig“ Nobunaga keine Widerrede geben. Einige Historiker behaupten, dass Ieyasu wegen dieses Ereignisses Nobunaga gehasst hat mehr als Mitsuhide.

Entlassungen
1580 (M. 52 Jahre) endete die Schlacht gegen Ishiyama Honganji endlich nach 10 Jahren. Nobunaga begann die Generäle zu entlassen, die keine Kriegserfolge aufweisen konnten, auch wenn sie seit der Generation von ihren Vätern ihm gedient haben mit der Begründung, sie seien faul. Der direkte Grund der Entlassung von Hayashi Michikatsu z.B. war, dass er vor 24 Jahren bei der Wahl des Familiennachfolgers den Bruder des Nobunaga unterstützt hatte. Die Generäle dachten, es würde morgen sie selber treffen, wenn er solche alte Geschichte als Grund benutzt.
Auch der Vater und der Sohn Sakuma wurden entlassen. Nobunaga warf ihnen vor, gegen Honganji keine effektive Schlacht geführt zu haben. Im Gegenzug wurden die Erfolge einiger anderen Hauptgeneräle als zu lobende Beispiele genannt – an erster Stelle der Erfolg von Mitsuhide in Tanba. Nobunagas Vertrauen auf ihn war enorm. Das ist wohl der Grund, warum er so spät gegen diesen rebellierte.
Zum Neujahr 1581 (M. 53 Jahre) veranstaltete Mitsuhide Rengakai (Fortführende Dichtungen der Teilnehmer) und Chakai (Tee Zeremonie) wie schon oft. Mitsuhide war eben auch ein hervorragender Kulturträger neben seinen militärischen Erfolgen. Bei der demonstrativen Militärparade vor dem Kaiser überließ Nobunaga ihm die ganze Organisation.
Nobunagas Wut gegen Muraki Murashige war auch nach zwei Jahren so groß, dass er seine ehemaligen Untertanen suchen und töten ließ. Im August ermordete Nobunaga mehrere hundert Mönche von Koyasan (einem der beiden berühmtesten Bergkloster neben Hiei, dessen Mönche er früher töten ließ) mit der Behauptung, sie hätten Murashiges ehemaligen Untertanen versteckt. Auch im gleichen Jahr schickte Nobunaga 40-tausend Mann gegen die Aufständischen von Iga mit der Einwohnerzahl von 100-tausend und ermordete zahllose Einwohner.

Das Jahr des Schicksals (1582) beginnt
Nun beginnt das geschichtsträchtige Jahr 1582. Im März (3 Monate vor Mitsuhides Rebellion) begleitete Mitsuhide Nobunaga bei der Schlacht gegen das Land Kai von Takeda (ca. 110 km westlich von Tokyo). Takeda Katsuyori wurde besiegt und am Ende von einem Untertan verraten. Er hat sich selbst getötet. Als Odas Heer Takeda in die Enge drängte, sagte Mitsuhide im Hochgefühl des begeisterten Eindrucks, „Es hat sich gelohnt, dass wir uns bemüht haben“. Nobunaga scheint einen ganz schlechten Tag gehabt zu haben. Er sagte wütend, „Was hast Du in Kai geleistet?“, und schlug Mitsuhides Kopf gegen das Geländer und beschämte ihn so vor anderen Untertanen.
Nach der Schlacht beerdigten die Mönche des Zen-Tempels „Erinji“, wo sich die Familiengräber der Takedas befinden, den Leichnam des Katsuyori. Nobunaga ärgerte sich, brannte den Tempel nieder und verbrannte mehr als 150 Mönche. Der Hauptmönch Kaisen Joki, der vom Tenno den Titel des Kokushi (nationaler Lehrer) erhalten hatte, starb in der Flamme mit den Worten des Zen-Buchs „Hekiganroku“, „Wenn man Herz und Kopf zu Samadhi führt, dann ist auch das Feuer angenehm kühl“.
Im April ritt Nobunaga von der Azuchi-Burg nach Takeojima-Tempel. Es sind mehr als 100 km hin und zurück. Die Dienerinnen der Burg dachten, er würde einmal übernachten, und waren entspannt. Aber er beendete das Gebet in Windeseile und kam am gleichen Tag zurück. Die ganze Burg geriet in Panik. Die Dienerinnen des Hauptgebäudes waren in dem Nebengebäude, einige kauften in der Stadt ein und wieder andere gingen zum Kuwanomidera (Tempel) zum Gebet. Die Jähzornigkeit des Nobunaga explodierte. Alle Dienerinnen, die auswärts waren, wurden gefesselt und getötet. Auch ein ältester des Kuwanomidera, der um das Leben der Dienerinnen bat, wurde mitgetötet. Nicht nur die Feinde sondern auch eigene Leute wurden ermordet!
Der Fürst Chosokabe Motochika von Shikoku (der viert-größten Insel Japans) brachte jedes Jahr Opfer zu Oda, um so seine Selbständigkeit zu erhalten. Aber Nobunaga entschied sich entgegen seinem früherem Versprechen, ihn zu bekriegen. Da Akechi Mitsuhide als Garant der Sicherheit von Chosokabe stand, verlor er so völlig sein Gesicht. Die Frau von Motochika war zudem die Schwester eines der Hauptuntertanen von Mitsuhide, Saito Toshizo. Dieser war früher Untertan des Inaba Ittetsu, der auch Nobunaga diente. Da aber die Charaktere der beiden nicht harmonisierten, hat Toshizo Ittetsu verlassen und wurde Ronin (ein herrenloser Samurai). Mitsuhide hieß ihn als Hauptuntertan willkommen. Dann wollte ihn Ittetsu wieder haben und bat Nobunaga um die Rückgabe des Toshizo. Nobunaga empfahl Mitsuhide, dass er das tun sollte. Dieser aber sagte, „Auch wenn ich mein Land verlieren sollte, würde ich meinen wichtigen Untertanen nicht loslassen“. „Kannst du nicht meinem Befehl folgen?“, erwiderte Nobunaga, griff die Haare des Mitsuhide, zog ihn auf dem Boden. Schließlich stieß er den Kopf des Mitsuhide mehrmals gegen die Säule der Flur. Aber Akechi wollte Nobunaga nicht folgen. Dieser wollte sein Schwert ziehen, aber die Leute um ihn haben ihn besänftigt. Toshizo war von Mitsuhide so begeistert und folgte ihm bis zum bitteren Ende.


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Fürst Akechi Mitsuhide - Teil 3


Anspruch auf Göttlichkeit
An seinem Geburtstag, dem 12. Mai deklarierte Nobunaga seine Göttlichkeit. Nach den Angaben des Jesuitenmissionars Luis Frois strebte Nobunaga eine absolute Herrschaft europäischen Stils an, so wie er darüber von Missionaren berichtet bekam. Aber allmählich wollte er als Gott angebetet werden. Frois notiert dies als blasphemische Gier. Konkret ließ Nobunaga innerhalb der Azuchi-Burg einen riesigen Stein hinstellen und zwang seine Untertanen und Landsleute, diesen anzubeten als seinen Repräsentanten. Er gründete den Sokenji-Tempel in Azuchi, stellte sein Bildnis als Hauptgottheit hin und befahl sogar der Kaiserregierung es anzubeten statt der shintoistischen Gottheit oder des Buddha. Wenn Nobunaga befielt, wird ein bloßer Stein zu Gott. So wollte er die religiöse Autorität des Tennos zunichte machen und zeigen, dass er höher steht als der Tenno.
Nobunaga ließ in Sokenji ein Schreiben aufstellen, in dem zu lesen war, welche Verdienste diejenigen haben, die ihn anbeten: die Armen werden reich. Man bekommt viele Kinder geschenkt. Die Kranken werden sofort geheilt und werden 80 Jahre alt. Darin stand auch, dass diejenigen, die ihn nicht anbeten, auch im Jenseits zum Verderben verurteilt seien. Man soll seinen Geburtstag heilig halten und den Tempel besuchen.
Nachdem Nobunaga sich solcherart für Gott erklärt hatte, muss die kaiserliche Regierung um ihre Existenz gefürchtet haben. Es ist zu vermuten, dass sie deswegen mit Mitsuhide, der zu ihr eine gute Beziehung pflegte, kontaktierte und um Nobunagas Sturz bat. Es könnte aber auch sein, dass Mitsuhide selbst, der ja einst Nobunaga zur Kaiserstadt Kyoto führte, sich für die Entstehung dieses „Monsters“ verantwortlich fühlte, und etwas unternehmen wollte.
Am 15. Mai besuchte Ieyasu die Azuchi-Burg. Nobunaga befahl Mitsuhide, Gastgeber zu sein. Dieser bemühte sich und hieß Ieyasu willkommen. Dann kam der Hilferuf von Hideyoshi, dem Nobunagas zweitwichtigsten Untertan, der nach Westen ging, um Môri zu erobern. Nobunaga befahl Mitsuhide ihn zu unterstützen und ließ ihn zu seiner Sakamoto-Burg zurückkehren, um Vorbereitungen zu treffen. Ieyasu blieb danach bis zu dem „Ereignis“ in dieser Gegend!
Am 21. Mai kam der offizielle Befehl zum Feldzug. Der Inhalt schockierte Mitsuhide und seine Leute. Nobunaga schrieb, dass er Akechis bisherigen Gebiete enteignet und ihm stattdessen die Gebiete von Môri schenkt. Dies hätte bedeutet, dass Mitsuhide die wichtigen Gebiete um die Hauptstadt herum verlassen musste, um die er sich viel Mühe gegeben hat und von deren Einwohnern er hoch geschätzt war, und in die Gebiete umziehen sollte, die nicht einmal erobert waren. Vielleicht wollte ihn Nobunaga aus der Nähe zum Kaiserhaus entfernen. Nun war das Maß voll.

Der bewusste Weg zum „Verräter“, um den „Monster“ zu schlagen
Am 28. Mai verließ Mitsuhide die Sakamoto-Burg und ging zum Atago-Tempel, offiziell deswegen, weil er um den Sieg gegen Môri beten wollte, was damals vor einer wichtigen Schlacht üblich war. Um welchen Sieg er in Wirklichkeit gebetet hat, ist aber den späteren Generationen sonnenklar. Er blieb dort und veranstaltete seine allerletzte Gedichtsversammlung, wo Kettengedichte (Renga) vorgetragen wurden. Er eröffnete mit dem Vers „Toki wa ima, Ame ga shitashiru, Gogatsu kana“ (5-7-5 Silben). (Nun ist die Zeit des Regen-Mai.) Dieser Vers ist aber doppeldeutig: Toki kann Zeit oder den Namen des Hauptclans der Akechi-Familie bedeuten. Ame kann Regen oder Himmel bedeuten. Shitashiru kann Niederschlag oder „unten wissen“ heißen. Man kann also in diesem Vers die Bedeutung „Der Clan Toki, als dessen Vertreter Mitsuhide sich versteht, weiß jetzt unter dem Willen des Himmels zu stehen“ ahnen. Auch die anschließenden Dichter des ersten Rangs von damals, die allesamt dem Tenno nahe standen, folgen mit andeutungsvollen Versen, die den Wunsch nach dem Nobunagas Sturz beinhalten. Sie wussten also Bescheid und wünschten Mitsuhide das Gelingen seines Vorhabens. Mitsuhide opferte diese Gedichte dem Tempel.
Am 29. Mai verließ Nobunaga die Azuchi-Burg und fing an, gen Westen zu den Gebieten Môris zu marschieren. All seine wichtigen Generäle waren unterwegs, weil sie überall Kriege führten. Seine Begleiter waren nur 150 reitende Samurais und 30 Pagen.
Am 1. Juni erreichten sie den Hon’nôji-Tempel. Nobunaga wählte diesen Tempel, weil er dort den Tee-Spezialisten Shimai Soshitsu treffen wollte. Nobunaga besaß zwei von damals am meisten geschätzten 3 Teeschalen, Soshitsu die dritte. Wahrscheinlich wurde Nobunaga dorthin gelockt, wenn wir feststellen, dass etwa 40 Adligen bzw. höhere Mönche extra zum Hon’nôji kamen. Sie rechneten wohl mit dem Wunsch Nobunagas, auch die dritte Schale sehen zu wollen. Abends kam der beste Go-Spieler Sansa, blieb bis tief in der Nacht und zeigte sein Können. Nachdem er nach Hause ging, übernachteten dort neben Nobunaga seine Pagen und ein Teil seiner Reiter, insgesamt etwa 100 Mann.
Etwa 22 Uhr verrät Mitsuhide sein Vorhaben den Hauptuntertanen. Er musste unbedingt vermeiden, dass die anderen Generäle es vorher erfuhren. Diese Maßnahme der sehr späten Ankündigung war notwendig aber gleichzeitig – wie sich später herausstellte – fatal für Mitsuhide.
Jedenfalls hat Mitsuhides Heer von 13000 Mann, das schon Kyoto hinter sich gelassen hatte, sich in Richtung Osten gewendet. „Der Feind ist in Hon’nôji“, hieß es.

Hon’noji no Hen (Das Hon’nôji-Ereignis)
Es geschah am 2. Juni 1582. Akechis Heer, das den Fluss Katsura überschritten hatte, umzingelte frühmorgens das Gebiet um den Hon’noji. In der vordersten Reihe standen Soldaten mit Gewehren.
14 Jahre zuvor hatte Mitsuhide den Fürst Asakura verlassen und war Vermittler zwischen dem Shogun Ashikaga Yoshiaki und dem Fürst Nobunaga geworden. Damit hatte diese schicksalhafte Begegnung begonnen. Seitdem war Mitsuhide Nobunaga treu gewesen, auch nachdem die Ashikaga-Regierung zugrunde ging, sogar nachdem seine Mutter wegen der harten Behandlung Nobunagas gegenüber seinen Kontrahenten sterben musste, und auch wenn er wider Willen gegen die Geistlichen kämpfen musste. Er war die rechte Hand Nobunagas als oberster Untergebener. Nun war es soweit, dass er seinen Herrn schlagen musste. Er gibt das Schießkommando. Es war morgens gegen 6 Uhr.
13000 gegen 100 - es gab keine Chance für Nobunaga. Seine Pagen und Soldaten haben gekämpft, wurden aber schnell überwältigt. Nobunaga hörte die Schüsse, kam heraus und fing an zu kämpfen mit Bogen und Lanze. Er erkannte aber schnell seine aussichtslose Lage, ging in den hinteren Raum zurück und tötete sich selbst. Der Tempel brannte lichterloh. Gegen 7 Uhr griff die Sondertruppe Akechis den Nijo-Palast an und zwang den ältesten Sohn Nobunagas, Nobutada, sich zu töten.
Nach zwei Stunden war Hon’nôji ausgebrannt. Man entdeckte den Leichnam Nobunagas, stellte aber sein Haupt nicht zur Schau – wie damals üblich. Mitsuhide ließ den Bonzen des Amidadera-Tempels rufen, der mit Nobunaga verbunden war, und diesen feierlich begraben. (Später hat Toyotomi Hideyoshi auf den Tempel mehrmals Druck ausgeübt, um den Leichnam des Nobunaga ausliefern zu lassen. Da seine Absicht aber durchschaut wurde, dass er dadurch seine politische Situation verbessern wollte, hat ihm der Tempel nicht nachgegeben.)
Nun musste Mitsuhide seine Machtbasis stärken. Er schickte zu verschiedenen Fürsten ihm zu helfen, mit der Botschaft, dass er die Tyrannen (Nobunaga und sein Sohn) beseitigt hätte, die das ganze Land in die Irre geführt hätten. Sein Ruf verhallte aber oft ungehört. Zum Teil waren die Fürsten beleidigt, weil er ihnen das Vorhaben nicht vorher mitgeteilt hatte. Zum Teil wollten sie den „Verräter“ nicht unterstützen. Zum Teil war Mitsuhide für die rauhen Feldherren zu kultiviert und zum Teil setzten sie eher auf die Militärmacht Hideyoshis. Tokugawa Ieyasu z.B., der damals in der Nähe weilte, ritt eilends in seine Heimat gen Osten weg. Wohl wollte er zusehen und feststellen, welches Lager den Sieg erringt. Denn er wagte noch nicht, mit seiner eigenen Militärmacht den Kampf zu entscheiden. Er war ein Meister des Kalküls.


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Fürst Akechi Mitsuhide - Teil 4


Zur letzten Schlacht
Am 3. Juni 1582 wussten die Fürsten in der Ferne noch nichts von Nobunagas Tod. Zum Beispiel war einer seiner direkten Untertanen Shibata Katsuié gerade dabei, die Burg Uozu zu erobern, die zum Lager des Fürsten Uésugi gehörte. Die Boten aber, die Mitsuhide zu Môri und Obayakawa sandte, wurden von Hideyoshis Soldaten gefangen genommen. Hi-deyoshi las die geheime Botschaft Mitsuhides und erfuhr von Nobunagas Tod. Am nächsten Tag verschwieg Hideyoshi diese Nachricht und schloss Frieden mit Môri. Auch Katsuié er-fuhr von Nobunagas Ableben und eilte nach Kyoto. Nobunagas Neffe, Nobuzumi, verheiratet mit Mitsuhides zweiter Tochter, wurde am 5. Juni zum Seppuku (Harakiri) gezwungen. Er war das erste Opfer des Kampfs um die Machtnachfolge. Um 14 Uhr begann Hideyoshi die grosse Rückkehr nach Osten. Mitsuhide, der in Nobunagas Azuchi-Burg einmarschiert war, verteilte die Gelder und die Schätze an seine Untertanen. Am gleichen Tag wurde ihm vom Kôfukuji-Tempel gratuliert, da er den Feind Nr. 1 des Buddhismus beseitigt hat. Am 6. Juni bat er Uésugi um Hilfe. Am 7. Juni wurde ihm vom Kaiserhof feierlich gratuliert. Am 8. Juni zog er nach Kyoto um.
Am 9. Juni wurde Mitsuhide allmählich unruhig, weil kaum jemand ihm zu Hilfe eilte, obwohl es viele hätte geben müssen, die gegen Nobunaga waren. Viele wollten nicht gegen Hideyoshi oder Katsuié kämpfen. Ausserdem dachten sie, dass sie selbst von ihren Untertanen verraten werden könnten, wenn sie den Herrenmord anerkennen, auch wenn Nobunaga sata-nisch war. Am meisten schockiert wurde Mitsuhide von der Trennung des altbekannten Ho-sokawa Fujitaka und seines Sohnes Tadaoki, der mit seiner dritten Tochter Garasia (dieser Name kommt vom Lateinischen „gratia“, weil sie eine katholische Christin war) verheiratet war. Fujitaka schämte sich, dass er den eigenen Familienerhalt der Treue zu seinem Freund vorzog. Er dachte, er sei nicht mehr wert, Samurai zu sein, weil er seinen Freund verraten hatte. So wurde er Mönch und sandte Mitsuhide seine abgeschnittenen Haare. Tadaoki liess seine Frau an einem entlegenen Ort einsperren. (Vielleicht wollte er auf diese Weise seine Frau vor den Gegnern Mitsuhides schützen.)
Mitsuhide schrieb noch einmal an Hosokawa: „Ich verstehe, dass du die Haare gescho-ren hast. Aber bitte schicke mir dann wenigstens deine Soldaten und hilf mir. Ich werde in 50 bis 100 Tagen diese Gegend unterwerfen und mich danach zurückziehen.“ Er hatte nicht des-wegen Nobunaga beseitigt, weil er Herrscher sein wollte, oder wegen seiner Eroberungsgier. Garasia musste mit ansehen, dass ihr Mann und Schwiegervater ihren eigenen Vater verraten haben. Ihre Trauer war unermesslich. Der einzige Weg, der ihr noch blieb, war im Verborge-nen ihren christlichen Glauben leben. Ihr Ende war aber sehr tragisch, wie wir später sehen werden.
Am 10. Juni antwortete selbst Tsutsui Junkei, der durch Mitsuhides Empfehlung zum Herrscher des Yamato-Bezirks geworden war, ihm nicht. Mitsuhide war vollkommen isoliert. Am 11. Juni gab es kleine Auseinandersetzungen zwischen den Fronten von Mitsuhide und Hideyoshi in Yamazaki südlich von Kyoto. Am 12. Juni spürte Mitsuhide, dass sich Hideyos-his Hauptheer nähert. Er versuchte am Tennozan-Berg eine Verteidigungsfront aufzubauen. Der war aber schon von Hideyoshis Heer besetzt.
Am 13. Juni fand die „Schlacht in Yamazaki“ statt. Hideyoshis Heer wurde gestärkt durch Oda Nobutakas Heer, das vom Eroberungskrieg auf Shikoku zurückgekehrt war, und zählte nun 40 000. Auf der anderen Seite hatte Mitsuhide zusammen mit dem eigenen Heer und nur 3000 Helfern insgesamt 16 000. Mitsuhide wagte einen Ausfall aus der Shôryuji-Burg. Um 16 Uhr stiessen beide Heere frontal aufeinander. Obwohl zahlenmässig weit unterle-gen, wehrte sich Akechis Heer unter dem berühmt-befürchteten Frontanführer Saito Toshimit-su heftig, weil Akechis Soldaten diesen verehrten und eng miteinander verbunden waren. A-ber nach dreistündiger Schlacht wurde die zahlenmässige Unterlegenheit spürbar. Akechis Heer wurde von drei Seiten umzingelt und vernichtet. Mitsuhide wollte sich zurückziehen zur Sakamoto-Burg am Biwa-See und später zur Azuchi-Burg auf der anderen Seite des Sees. Mitsuhide dachte, wenn er in dieser starken Festung gegen die Belagerung kämpfe und Zeit gewinne, würden Hideyoshi und sein Rival Katsuié gegeneinander kämpfen und sich gegen-seitig schwächen, und Uésugi und Môri würden ihm zu Hilfe kommen.
Herkömmlich wurde die weitere Geschichte folgendermassen dargestellt: Mitsuhide war auf der Flucht mit 12 Untertanen zu Pferd. Um Mitternacht, als Mitsuhide durch einen Bambuswald im Südosten von Kyoto ritt, regnete es heftig. Ein Bauer namens Nakamura Chobéi war dabei, nach den flüchtenden Samurai Ausschau zu halten, um sie zu berauben. Er stiess mit einer Bambus-Lanze Mitsuhide in die Seite. Der fiel vom Pferd. Chobéi floh. Mitsu-hide erlitt eine tödliche Verwundung. Er bat bei den Untertanen um den Henker-Beistand und tötete sich selbst. An Ort und Stelle folgten zwei Untertanen ihrem Herrn in den Tod. Am Morgen des 14. Juni fanden die Dorfleute die Leichname der Drei. Ein Leichnam trug eine feierliche Rüstung mit dem Familienwappen von Akechi, mit der Kikyo (Ballonblume). Da es keinen Kopf gab, suchte man in der Nähe und fand ihn unter der Erde begraben. An dieser Version dürfen ernsthaften Zweifel angemeldet werden. Darüber aber später.
Akechi Samanosuke, der zweite Ehemann von Mitsuhides ältester Tochter, der die Azuchi-Burg besetzt hatte, erfuhr von der Niederlage in Yamazaki und kam zur Sakamoto-Burg, um Mitsuhide zu helfen. Hideyoshi lagerte in Mitsuidera-Tempel. Am 15. Juni wurde die Sakamoto-Burg von Hideyoshis grossem Heer umzingelt. So entschied sich Samanosuke zu sterben. Vor ihm gingen Mitsuhides Frau und seine Frau in den Tod. Er liess die Burg an-zünden. Am nächsten Tag wurde Mitsuhides Haupt im Hon’nôji-Tempel ausgesetzt. So endete seine Revolte.
Mitsuhide wurde oft als Feigling bezeichnet, weil er den wehrlosen Nobunaga angriff. Er wurde auch als Herrenmörder bezeichnet. Aber wie oben ausführlich dargestellt, war seine Tat aus der Not geboren. Niemand von uns würde auch Graf Schenk von Stauffenberg als Feigling oder Herrenmörder bezeichnen.
In seinem Herrschaftsbereich hat Mitsuhide von den Leuten nur wenig Steuer genom-men und war bei ihnen sehr beliebt. Er war ein kultivierter Mensch, der dichtete und die Tee-Zeremonie liebte. In den meisten Kriegen war er erfolgreich und war selbst ein genialer Schütze. Er war ein hervorragender General des Bunbu-Ryodô (der beiden Wege von Kultur und Kampf). Er hatte keine Mätresse und liebte nur eine einzige Frau. Er bemühte sich um die Lebensrettung der verlorenen Feinde. Nicht nur Nobunaga sondern auch der Kaiserhof und das Shôgunat schätzte ihn. Obwohl der wilde Nobunaga einen ganz anderen Charakter hatte, betrachtete er ihn als den ersten unter seinen Untertanen. Wenn Nobunaga ein anständiger Kerl gewesen wäre, wäre Akechi als sein Nachfolger in Frage gekommen, obwohl er solchen Ehrgeiz gar nicht gehabt zu haben scheint. Leider ist es anders gekommen und Akechi Mitsu-hide war nur 12 Tage Herrscher über Japan.

Diskussion um die Gründe der Revolte
Man hat verschiedene Gründe für die Revolte des Akechi Mitsuhide genannt:

• Häufig wurde behauptet, dass die Ambition, selbst Herrscher über Japan zu werden, entscheidend gewesen wäre. Aber die genauere Untersuchung zeigt eher eine Haltung, sich nach getaner „Pflichtarbeit“ der Beseitigung Nobunagas zurückziehen zu wollen.
• Man hat manchmal behauptet, dass er die Angst der Generäle geteilt hätte, von Nobu-naga kalt gestellt zu werden, wenn sie keinen Erfolg vorzeigen konnten. Er sei deswe-gen Nobunaga zuvorgekommen. Aber Mitsuhides ständige Erfolge widersprechen die-ser Vermutung.
• Nobunaga ignorierte Mitsuhide, während dieser mit Chôsokabe in Shikoku verhandel-te, und sandte sein Eroberungsheer dorthin. Mitsuhide fühlte sich verraten, weil er Chôsokabe den Frieden während der Verhandlung versprochen hatte. Dies könnte tat-sächlich eins der Motive gewesen sein.
• Man vermutet auch seinen langjährig angesammelten ärger und Frustrationen. Dies wohl mit Recht. Wie wir schon gesehen haben, wurde seine Mutter als Geisel geopfert, weil Nobunaga seine Gegner nicht geschont hat. Nobunaga nahm Mitsuhide seine Länder Tanba und Ômi weg. Immer wieder hat jener diesen beleidigt, obwohl Mitsu-hide bei den Eroberungskriegen Nobunagas solch grosse Verdienste zeigte.
• Man nahm an, dass der Shogun Ashikaga Yoshiaki Drahtzieher gewesen sein könnte. Da aber Hosokawa Fujitaka, der Yoshiaki lange Jahre gedient hatte, sich nicht am Un-ternehmen beteiligte, ist diese Theorie etwas fraglich, obwohl es durchaus möglich ist, dass Fujitaka im letzten Augenblick doch nicht dem Wunsch seines Herrn entsprochen hat um selbst zu schützen, wie er sich gegenüber Mitsuhide verhalten hat.
• Eine durchaus begründete Vermutung ist, dass der Kaiserhof ihn heimlich unterstützt hat, weil dieser sich bedroht fühlte, dass Nobunaga ihn abschafft und selbst zum Kai-ser erklärt. Wenn dies stimmt, dann ist Mitsuhide wirklich edelmütig, denn er hat das nicht öffentlich gesagt, obwohl er dann mehr Unterstützung anderer Fürsten hätte er-warten können. Er wollte den Kaiserhof nicht in noch grössere Not bringen.
• Es gibt auch die Theorie, dass sowohl Hideyoshi als auch Ieyasu vom Unternehmen wussten und sich bereit gehalten hätten. Dabei war Ieyasu in der damaligen Zeit der Schwächere, so dass er nicht gewagt hat, gegen Hideyoshi zu kämpfen. Tatsache ist aber, dass für diese beiden, die später Shogun geworden sind, Nobunaga in Bezug auf ihren Ehrgeiz durchaus eine problematische und störende Figur war. Wurde Mitsuhide von verschiedenen Seiten ausgenutzt und tragisch getötet? Nun ist es Zeit über sein letztes Schicksal genau nachzudenken. Denn die Berichte über den Tod von Mitsuhide von Seiten Hideyoshis sind sehr widersprüchlich.


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Fürst Akechi Mitsuhide - Teil 5


Akechi Mitsuhide hat überlebt!
• Es mutet schon sehr merkwürdig an, dass ein Bauer in einer regnerischen Nacht dreizehn berittenen Samurai auflauert und deren Anführer erkennt, ihn mit einer Bambuslanze besiegt und daraufhin sogar fliehen kann, ganz abgesehen von der Möglichkeit eines Kagemusha (= Schattenkrieger), den Mitsuhide dabei gehabt haben müsste. • Ausserdem gab es keinen Dorfbewohner in Ogurusu, wo das Ganze stattgefunden haben soll, der einen Nakamura Chôbéi gekannt hat, wie eine kurze Zeit später erfolgte Untesuchung ergab. In Miyamachô in Gifu, in der Heimat von Mitsuhide, gibt es eine überlieferung, nach der sein Schattenkrieger namens Araki Yukinobu für ihn gestorben sei. Da Hideyoshi erst nach vier Tagen den Kopf Mitsuhides gesehen hat, kann es sein, dass er ihn für den echten hielt, zumal der Kopf einmal im nassen Boden begraben war und der Monat Juni sehr warm (ca. 28 Grad) und feucht (Luftfeuchtigkeit manchmal über 90 Prozent) ist. In Miyamachô gibt es sogar eine angebliche Grabstätte von Mitsuhide. Man sagt dort, dass Mitsuhide an diesen Ort zurückgekehrt sei und unter dem Namen Arafuka Kogorô gelebt hätte.
• Die zwei Untertanen, die angeblich ihrem Herrn in den Tod gefolgt waren, lebten aber weiter und dienten der Familie Hosokawa, wie man im Grossfamilienregister Hosokawas feststellen kann. Wenn ein Name zufällig gleich wäre, könnte man das für einen Zufall halten, aber dass alle zwei identisch sind, ist doch sehr unwahrscheinlich. Da die Hosokawas eigentlich Akechis Freunde waren, auch wenn sie ihm nicht geholfen haben, und diesem gegenüber ein schlechtes Gewissen (die Grabstätte in Miyamachô) hatten, kann es durchaus sein, dass sie Mitsuhides Untertanen geschützt haben.
• Ogurusu, wo Akechi angeblich getötet worden ist, war das Territorium eines nahen Untertanen des Tenno, der Akechi beistand. Der Landesherr war so mit Mitsuhide vertraut, dass er später die überlebenden des Akechi-Clans versorgt hat. In diesem Land wäre die Rebellion eines Bauern gegen Akechi unwahrscheinlich. Auf der anderen Seite konnte der Landesherr alle Massnahmen ergreifen. Er hätte tatsächlich eine Tötungsszene vortäuschen können.

War Mitsuhide der spätere Mönch Tenkai?
Wenn ein Kagemusha statt Mitsuhide gestorben ist, was ist dann mit Mitsuhide passiert? Ausser der überlieferung in seinem Heimatort gibt es eine noch viel kühnere Theorie. Derzufolge soll Mitsuhide sich im Hiei-Tempel, der ihm freundlich besonnen war, versteckt haben und ein Mönch namens Tenkai geworden sein, der tatsächlich den drei Generationen des Shogunats Tokugawa – Ieyasu, Hidetada, Iemitsu - gedient hat. Tenkai hatte eine grosse Autorität, wurde als Herrscher im schwarzen Kleid bezeichnet und beherrschte neben verschiedenen Wissenschaften auch Feng sui. Er gründete den Nikkô-Tôshô-Schrein, der Gräber der Tokugawa-Familie herbergt, und auch den berühmten Kann’éiji-Tempel in Uéno in Tokyo, und starb im hohen Alter von 104 oder 107 oder gar 108.
Hier seien einige Gründe genannt, die für diese Annahme sprechen:
• Obwohl Tenkai eine so berühmte, öffentliche Person war, gibt es keine klaren Berichte über sein frühes Leben. Es liegt im Nebel. Auf der anderen Seite ist verständlich, wenn er Mitsuhide war, dass er im Osten, wo sein Gesicht unbekannt war, gewirkt hat. Es ist auch sehr verständlich, dass er Iéyasu gegen Hideyohi und dessen Sohn helfen wollte, zumal Hideyoshi zusehends dem Grössenwahn verfiel und Anstalten machte, Korea zu erobern. Er wurde immer brutaler, wie man am Massaker an seinem Neffen und dessen Familie und Angehörige einschliesslich kleiner Kinder sieht. Der Alptraum von Nobunaga schien auferstanden zu sein.
• Dass Mitsuhide im Hiéi-Tempel Mönch geworden sein könnte, ist auch nachvollziehbar, wenn man seinen Wunsch nach „Rückzug“ denkt, oder auch daran, dass er so viele Untertanen und Familienangehörige mit einem Mal verloren hat. Vielleicht wollte er für ihre Seelen beten.
• Auch die Berichte über Tenkais „erste“ Begegnung mit Iéyasu sind vielsagend. Obwohl sie sich „zum ersten Mal“ trafen, wollte Iéyasu keinen dabei haben, und unterhielt sich nur zu zweit sogar 4 Stunden lang mit Tenkai, als ob sie altbekannte gewesen wären. Das hatte es bis dahin noch nie gegeben, dass sich Iéyasu bei einer Erstbegegnung ohne jegliche Begleitung seiner Leute allein unterhalten hatte. Die Untertanen waren sehr erstaunt darüber.
• Die Ebene bei Nikko heisst Akechi-daira (= Akechi-Ebene). So wurde sie von Tenkai genannt.
• Die Namen des zweiten Tokugawa-Shoguns Hidetada und des dritten Shoguns Iémitsu tragen je ein Zeichen von Mitsuhide. Die chinesischen Zeichen von hide und mitsu der beiden Shogune sind identisch mit den Zeichen von Mitsu-hide.
• Ferner gibt es eine Rüstung des Tenkai, obwohl dieser nicht ein „Kampfmönch“ sondern ein „Gelehrter-Mönch“ war. Natürlich könnte das daher kommen, dass er bei den Osaka-Schlachten Iéyasu begleitet hat als Berater. Aber wenn das so ist, dann ist es wieder sehr erstaunlich, dass ein blosser Mönch bei den Kriegshandlungen als Berater fungiert. Wenn Tenkai in Wirklichkeit Akechi Mitsuhide war, der ein hervorragender Kriegsführer war, dann ist dies verständlich, zumal der Gegner die Toyotomi-Familie war.
• Ausserdem ist die Amme vom dritten Shogun Iémitsu, Kasuga no Tsubone, die Tochter des Haupt-Untertans von Mitsuhide, des schon erwähnten tapferen Saito Toshimitsu. Besonders wenn man bedenkt, dass Iémitsus Mutter Nobunagas Nichte war, ist diese Wahl sehr erstaunlich. Die Saito-Familie müsste sehr gute Karten gehabt haben.
• Erstaunlich ist auch die Inschrift des Votivsteins auf dem Hiéi-Berg. Auf diesem Stein ist eingegraben, dass der Bittsteller Mitsuhide sei. Das Votivjahr ist ausgerechnet 1615 n. Chr., kurz nach der Winterschlacht von Osaka, in dem Tokugawa gegen Toyotomi gekämpft hat und diesen noch nicht besiegen konnte. Die Bitte scheint der Wunsch nach dem Sieg über Toyotomi zu sein. (Im nächsten Sommer verlor Toyotomi Hideyoshis Sohn Hideyori endgültig gegen Tokugawa.)
• Der Totenname des Iéyasu ist Tôshô Daigongen. Ursprünglich sollte er Tôshô Daimyôjin heissen. Tenkai war aber ganz dagegen, obwohl „myo“ des Daimyojin das gleiche Zeichen wie „ake“ von Akechi. Wir wissen, dass Hideyoshis Totenname Hôkoku Daimyôjin war!
• In der Nähe der Kameyama-Burg westlich von Kyoto, die Mitsuhide gebaut hat, gibt es einen Tempel namens Jigenji. Dort ist die Holzstatue von Tenkai. Nach dem Tod erhielt Tenkai vom Kaiserhof den Ehrennamen Jigen-Daishi. Jigen bedeutet „barmherziges Auge“. Daishi bedeutet Grosser Lehrer. (nicht zu verwechseln mit meinem Namen. Dai bedeutet zwar „gross“ wie bei meinem Namen, aber „shi“ ist hier das Zeichen für „Lehrer“. Das „shi“ meines Namens bedeutet „edle Zielstrebigkeit“.) Dass der Daishi-Titel zuletzt gegeben wurde, war vor 700 Jahren. Wir sehen, wie grosse ausserordentliche Ehre ihm gegeben wurde. Er wurde als grosser Lehrer des Tenno betrachtet. Vielleicht hat das doch damit zu tun, dass Akechi den Kaiserhoffeind Nobunaga beseitigt hat und bei jenem einen grossen Verdienst erworben hat.
• Als Tenkais Grabstätte ist Nikko berühmt. Aber interessanterweise gibt es auch eine in Sakamoto östlich von Kyoto am Biwa-See, wo Akechis Sakamoto-Burg lag, in der seine Frau und Tochter gestorben sind.

Wenn nur ein oder zwei Gründe für die Identität Mitsuhide – Tenkai vermutet werden, dann könnte man es als eine Phantasie beiseite legen. Aber diese Anhäufung der „Belege“ ist schon sehr erstaunlich.

Garasias Schicksal
Nun wollen wir uns am Ende dem Schicksal von Mitsuhides dritten Tochter Garasia (1563 - 25. 08. 1600 n. Chr.) zuwenden:
Ursprünglich hiess sie Akechi Tama. Als sie 15 Jahre alt war, heiratete sie durch die Empfehlung Nobunagas, des Herrn ihres Vaters, Hosokawa Tadaoki. Garasia war schön und die Beziehung zu Tadaoki war sehr gut. Durch das Hon’noji-Ereignis wurde sie aber die Tochter eines „Verräters“. Da Tadaoki sie liebte, wollte er sich von ihr nicht scheiden. So sperrte er sie in einem entlegenen Ort von Tango Midono bis 1584 ein. Im März des gleichen Jahres wurde sie nach Osaka verlegt auch durch die Empfehlung von Hideyoshi. Um diese Zeit hörte sie von der christlichen Lehre und interessierte sich sehr dafür. Wie oben erwähnt, war sie von der Haltung ihres Mannes und ihres Schwiegervaters gegenüber ihrem leiblichen Vater sehr betroffen. Sie fühlte, wie vergänglich und erbarmungslos diese Welt ist.
Während ihr Mann Tadaoki wegen einer Schlacht weit vom Hause weg war, entschloss sie sich und ging zur Kirche um von der christlichen Lehre Genaues zu erfahren. Es war Ostermesse. Tama stellte viele Fragen. Später sagte der Ordensmann, der mit ihr gesprochen hatte, „Ich habe noch nie mit einer Japanerin gesprochen, die so klare und wagemutige Urteile fällen konnte“. Von der Kirche zurückgekehrt wurde sie heimlich von einem Jesuitenpriester in Osaka auf den Namen Gratia getauft, der von den japanischen Christen Garasia ausgesprochen wurde.
Später entschied sich Hideyoshi, die ausländischen Missionare aus Japan zu vertreiben, und verbot den Fürsten, ohne seine Erlaubnis getauft zu werden. Tadaoki ärgerte sich sehr, als er erfuhr, dass die Dienerinnen des Hauses sich zum Christentum bekehrt hatte. Er schnitt die Nasen dieser Dienerinnen ab und vertrieb sie aus dem Haus. Glücklicherweise wurde die Bekehrung Garasias nicht verraten. Aber sie fühlte sich verlassen und isoliert. Sie verriet einem Missionar, dass sie sich von Tadaoki trennen möchte. Dieser sagte aber, sie soll der Versuchung nicht erliegen und sie schule erst dann ihre Tugenden, wenn sie gegen die Schwierigkeiten ankämpfe. Bis dahin hatte sie einen stolzen Charakter und wurde schnell ärgerlich, aber nach der Taufe soll sie bescheiden, geduldig und mild geworden sein.

Kurz vor der Schlacht von Sekigahara (16. 07. 1600), in der das westliche und das östliche Heer um die Macht nach Hideyoshis Tod kämpfte, wollte der westliche Heerführer Ishida Mitsunari Garasia zur Geisel nehmen, weil ihr Mann auf dem Lager des östlichen Heeres zu kämpfen schien. Da Garasia dagegen Widerstand leistete, umzingelte Mitsunari das Haus der Familie Hosokawa militärisch. Garasia beauftragte daraufhin den obersten Untertan der Familie, Ogasawara Hidekiyo, sie zu töten. Nach einer überlieferung wurde sie mit der Lanze in die Brust gestossen. Nach einer anderen überlieferung wurde sie enthauptet. Sie wollte sich nicht selbst töten, weil das eindeutig gegen die christliche Lehre verstiess. Was sie tat bzw. tun liess, war die ihr äusserste Möglichkeit in der damaligen Denkweise. Ihr Gedicht anlässlich ihres Sterbens war, „Chrinu beki Toki shirite koso, Yo no naka no Hana mo Hana nare, Hito mo Hito nare“. übersetzt heisst es etwa, „Wenn die Blume die Zeit kennt, in der sie fallen soll, dann ist sie wirklich eine Blume, und genau so mit dem Menschen“.
Ogasawara Hidekiyo tötete sich selbst anschliessend, nachdem er Sprengstoff legte und anzündete, damit Garasias Leichnam nicht zur Schau gestellt würde. Nach ein paar Stunden kam Pater Organtino und barg Garasias überreste (Knochen), und begrub sie im christlichen Friedhof in Sakai. Hosokawa Tadaoki betrauerte Garasias Tod sehr und bat Pater Organtino um eine kirchliche Trauerfeier und nahm selbst daran teil. Er verlegte Grasias überreste später in den Sûzenji-Tempel in Osaka, der nicht weit liegt von der heutigen Station Shin-Osaka des Shinkansen-Express.
übrigens empfahl Garasia bei Mitsunaris Umzingelung des Hauses ihrer Schwiegertochter Chiyo zu fliehen. Chiyo floh in das Nachbarhaus, in dem ihre Schwester lebte. Tadaoki aber ärgerte sich darüber sehr und befahl seinen Sohn Tadataka, sich von Chiyo scheiden zu lassen. Da Tadataka aber Widerstand leistete, enterbte der Vater den Sohn. Tadatakas Nachkommen wurden später Untertanen des Herrenhauses und nannte sich Nagaoka. In der Meiji-ära sind sie aber zum Namen Hosokawa zurückgekehrt.

übrigens war Sakamoto Ryôma, der den Namen von Akechis Zentralstadt als Familienname und das Familienwappen der Kikyô-Blume trägt, ein wichtiger Mann in der Wendezeit von der Samurai- zur Zivil-ära (Ende der Edo-Zeit). Er versuchte in den Auseinandersetzung zwischen Tokugawa und den Anti-Tokugawa-Fürstentümern zu vermitteln. Obwohl er ein guter Kämpfer war, fiel er einem Attentat zum Opfer.

Mit der Sympathie-Bekundung beende ich nun diese kurze Darstellung der Akechi- Sippe, der anzugehören ich als Ehre betrachte und darüber Freude empfinde. Ich hoffe, Ihr könnt dieses Empfinden mit mir teilen.


Gez.: Michael Daishiro Nakajima, Shinkiryu Aiki Budo Soke
  Aikido Shinki Rengo Leiter, 6. Dan Aikikai
  Daitoryu Aiki Jujutsu Bokuyokan Europa-Repräsentant, Shihan

Rosenberg, 08. März 2009
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